Ergebnisse des Projekts

Victoria Bleck, Lara Thiemann, Kristin Becker & Frank Lipowsky

An dieser Stelle möchten wir Sie über aktuelle Ergebnisse informieren und eine Auswahl an Befunden aus dem Projekt vorstellen.

  1. Stichprobe
  2. Berufliche Situation
  3. Beruflicher Erfolg

1. Stichprobe

Zur neunten Befragung (t9) im Projekt „Wege im Beruf“ im Winter 2016/2017 nahmen rund 70 % derer, die angeschrieben wurden – insgesamt 406 Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen –, teil. Diese hatten ihr Studium zwischen 1995 und 1997 an einer der Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs erfolgreich beendet. Von den ursprünglich 977 Befragten, die bereits an der ersten schriftlichen Erhebungswelle (t2) 16 Jahre zuvor teilnahmen, verbleiben damit auch zum neunten Messzeitpunkt noch 41.6 %.

Zum Befragungszeitpunkt waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Mittel 47.1 Jahre alt. Der Anteil der Geschlechter beträgt in etwa 3:1, d. h. 76.7 % der Befragten sind weiblich, 23.3 % männlich.

Im Rahmen des Projekts sind zum einen die berufliche Entwicklung der Lehramtsabsolventinnen und ‑absolventen sowie zum anderen deren beruflicher Erfolg von Interesse. Insofern wird in einem ersten Schritt aufgezeigt, welchen Erwerbstätigkeiten die befragten Lehramtsabsolventinnen und ‑absolventen im Jahr 2016/2017, also durchschnittlich 20 Jahre nach Beendigung des Lehramtsstudiums, nachgehen.

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2. Berufliche Situation

Der berufliche Verbleib der Lehramtsabsolventinnen und ‑absolventen gestaltet sich sehr unterschiedlich aus: Nicht alle üben den Lehrerberuf aus, vielmehr ist ein nicht unerheblicher Anteil der Befragten auch außerhalb des Lehrerberufs tätig. Dies zeigt auch Abbildung 2, aus welcher der Anteil an Lehrpersonen und außerhalb des Lehrerberufs Tätigen zu den einzelnen Messzeitpunkten hervorgeht.


Abbildung 2. Berufliche Situation der Befragten

Zum neunten Befragungszeitpunkt waren rund 79.1 % der Befragten im Lehrerberuf tätig. Jeder fünfte Befragte gab hingegen an, einer Erwerbstätigkeit außerhalb des Lehrerberufs nachzugehen (20.9 %). Der Anteil der Lehrpersonen an der Stichprobe hat folglich gegenüber dem Messzeitpunkt t2 im Jahr 2000 um 17.6 % zugenommen und erreicht hier, zum neunten Messzeitpunkt, über alle Befragungen hinweg den höchsten Stand.

Die berufliche Situation der Lehrpersonen

Zur neunten Befragung 2016/2017 arbeitete ein Großteil der befragten Lehramtsabsolventinnen und ‑absolventen im Lehrerberuf – zu diesem Messzeitpunkt sind die befragten Lehrkräfte im Mittel bereits über 17 Jahre im Schuldienst tätig (M = 17.36). Die Lehrpersonen haben ein durchschnittliches Deputat von 20 Stunden (M = 19.91, Min = 2, Max = 28), während die mittlere wöchentliche Arbeitszeit rund 35 Stunden beträgt (M = 35.78, Min = 2, Max = 65).

Zum neunten Messzeitpunkt arbeiteten sie vornehmlich an Grundschulen (34.1 %) oder Realschulen (25.9 %). Rund die Hälfte der Lehrkräfte unterrichtet in den Klassenstufen 5 bis 9 (53.3 %), weitere 42.4 % der Lehrpersonen in den Klassenstufe 1 bis 4. Die Klassen, in welchen die Lehrkräfte unterrichten, umfassen im Mittel 23 Schülerinnen und Schüler (M = 22.62, Min = 5, Max = 30). Am häufigsten unterrichten die Lehrkräfte die Fächer Deutsch (48.1 %), Mathematik (45.1 %), Sport (34.1 %) und Englisch (29.7 %).

Die berufliche Situation der außerhalb des Lehrerberufs tätigen Absolventinnen und Absolventen

Absolventinnen und Absolventen, die nach dem Lehramtsstudium nicht im Lehrerberuf tätig sind, befinden sich im Jahr  2016/2017 hauptsächlich in einer anderweitigen hauptberuflichen Erwerbstätigkeit (77.0 %) oder gehen kurzfristigen Jobs nach (10.3 %).

Apotheker/Apothekerin, Buchhalter/Buchhalterin, Softwareberater/Softwareberaterin, Musiker/Musikerin oder Journalist/Journalistin: Diejenigen Absolventinnen und Absolventen, die hauptberuflich einer außerschulischen Erwerbstätigkeit nachgehen, arbeiten in den verschiedensten Bereichen. Am häufigsten sind die Branchen Sport, Bildung, Pädagogik, Sprachen und Freizeit (24.2 %), IT, Informatik und Elektrotechnik (16.7 %) sowie Medizin, Pflege, Gesundheits- und Sozialwesen (12.1 %) vertreten. In der Regel ist für die Tätigkeiten dieser Absolventinnen und Absolventen eine Hochschulausbildung notwendig (43.1 %) oder zumindest angemessen (26.2 %). In ihren aktuellen Erwerbstätigkeiten verfügen sie oftmals über ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis (86.4 %). Der Beschäftigungsumfang beträgt laut Arbeitsvertrag durchschnittlich 29.68 Stunden je Woche, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 33.85 Stunden.

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3. Beruflicher Erfolg

Zur Bestimmung des beruflichen Erfolgs können nicht nur objektive Kriterien wie das Gehalt, der Beschäftigungsumfang oder das Berufsprestige herangezogen werden, sondern auch subjektive Kriterien. Zu diesen „weichen“ Faktoren von Berufserfolg zählt z. B. das Ausmaß an erlebter beruflicher Belastung.

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Berufliche Belastung

Im Folgenden finden sich Ergebnisse zu den erlebten beruflichen Belastungen der befragten Lehramtsabsolventinnen und ‑absolventen. Hohe Werte drücken eine hohe berufliche Belastung aus, während geringe Werte gering erlebte Belastungen anzeigen. Ein Item lautete beispielsweise: „Ich fühle mich häufig überfordert." (Antwortmöglichkeiten: trifft überhaupt nicht zu (1) bis trifft völlig zu (7)).

Insgesamt, also über alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinweg, zeigt sich, dass die wahrgenommene berufliche Belastung zum neunten Messzeitpunkt im Jahr 2016/17 mit M = 3.08 unterhalb des theoretischen Mittelwertes von 4.00 liegt und im Vergleich zum Jahr 2012 stabil geblieben ist (t7: M = 3.09). In Abbildung 3 ist die Entwicklung der wahrgenommenen beruflichen Belastung über die letzten beiden Befragungszeitpunkte (t7, t9) grafisch dargestellt, einerseits für die als Lehrerin bzw. als Lehrer tätigen Absolventinnen und Absolventen sowie andererseits für die anderweitig Erwerbstätigen.


Abbildung 3. Entwicklung der beruflichen Belastung

Eine differenzierte Betrachtung der Ergebnisse von Lehrkräften und Nicht-Lehrkräften im Jahr 2012 (t7) zeigt, dass beide Gruppen den Grad der beruflichen Belastung ähnlich einstufen (MLehrer = 3.11; MNicht-Lehrer = 2.92). Diejenigen Absolventinnen und Absolventen, die im Lehrerberuf tätig waren, unterscheiden sich nicht signifikant von denjenigen Personen mit Tätigkeiten außerhalb des Lehrerberufs. Auch im Jahr 2016/17 erlebten beide Gruppen die beruflichen Anforderungen ähnlich belastend (MLehrer = 3.08; MNicht-Lehrer = 3.09). Während die wahrgenommene Belastung aus Sicht der befragten Lehrkräfte leicht abgenommen hat, stieg die wahrgenommene Belastung der außerhalb des Lehrerberufs tätigen Absolventinnen und Absolventen leicht an.

Weitere Ergebnisse zur Entwicklung des Belastungserlebens finden sich auch in einer Publikation aus dem Jahr 2014 (Download).

Belastende Arbeitsbedingungen von Lehrerinnen und Lehrern

Arbeitsbedingungen, die Lehrerinnen und Lehrer zum neunten Befragungszeitpunkt (t9) in ihrer alltäglichen Arbeit als besonders belastend erleben (Prompt: „Wie belastend sind die folgenden Aspekte für Sie?“; Antwortmöglichkeiten: überhaupt nicht belastend (1) bis sehr belastend (7)), sind vor allem Neuerungen und Veränderungen im Schulsystem (M = 5.07), Lärm und Unruhe während des Unterrichts (M = 4.75), ein hohes Arbeitspensum (M = 4.70) sowie das Arbeiten unter Zeitdruck (M = 4.62). Dabei scheinen vor allem solche Stressoren längerfristig für das Belastungserleben relevant zu sein, welche durch außerhalb des eigentlichen Unterrichts liegende Tätigkeiten entstehen (z. B. Neuerungen und Veränderungen im Schulsystem, Verwaltungstätigkeiten sowie die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts).

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Das Erleben von Freude und Begeisterung im Lehrerberuf

Während die berufliche Belastung mit ungünstigen motivationalen und emotionalen Prozessen verbunden ist, beschreibt der Lehrerenthusiasmus den Spaß und die Freude im Lehrerberuf. Die Lehrpersonen, welche zum neunten Messzeitpunkt (t9) an der Befragung teilgenommen haben, wurden zum einen nach dem Erleben von Spaß und Freude bei der Tätigkeit des Unterrichtens – dem Enthusiasmus für das Unterrichten (Beispielitem: „Ich genieße es wirklich zu unterrichten.“) – sowie zum anderen nach der Begeisterung bei der Auseinandersetzung mit den Inhalten ihres Hauptfaches – dem Enthusiasmus für das Fach (Beispielitem: „In meinem Fach blühe ich so richtig auf.") – befragt (Antwortmöglichkeiten: trifft überhaupt nicht zu (1) bis trifft völlig zu (7)).

Die Ergebnisse zeigen: Obwohl der Lehrerberuf mit einer Vielzahl von belastenden Faktoren einhergeht, können sich die befragten Lehrkräfte – auch nach durchschnittlich 17 Jahren im Lehrerberuf – für die pädagogische Interaktion und die Auseinandersetzung mit ihrem Fach begeistern (MUnterricht = 4.95, MFach = 5.06). Aus Abbildung 4 geht die Entwicklung des Lehrerenthusiasmus vom siebten zum neunten Befragungszeitpunkt hervor.


Abbildung 4. Entwicklung des Lehrerenthusiasmus

Wie der Vergleich zum vorherigen Messzeitpunkt (t7) im Jahr 2012 zeigt, sind die Werte sogar noch leicht angestiegen (MUnterricht = 4.88, MFach = 5.02).

Wie erleben die Lehrerinnen und wie die Lehrer ihren Beruf? Für den Enthusiasmus für das Fach zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Lehrerinnen und Lehrern (MLehrerinnen = 5.01, MLehrer = 5.11) – Frauen und Männer erleben in ähnlichem Maße Freude an der Auseinandersetzung mit den Inhalten ihres Unterrichtsfaches. Hingegen deuten sich für den Enthusiasmus für das Unterrichten leichte Differenzen zwischen den Geschlechtern an: Die Lehrerinnen berichten von einer etwas höheren Begeisterung für die pädagogische Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern als ihre männlichen Kollegen (MLehrerinnen = 5.01, MLehrer = 4.77). Unterschiede bestehen auch mit Blick auf das studierte Lehramt. Diejenigen Absolventinnen und Absolventen, die Lehramt für Realschulen studiert hatten, zeigen insgesamt eine höhere Begeisterung für das Fach als die Absolventinnen und Absolventen des Lehramts für Grund- und Hauptschulen (MRealschule = 5.22; MGrund-/Hauptschule = 4.90).

Insgesamt gilt der Enthusiasmus als ein wichtiges Merkmal von Lehrpersonen. Dabei wird insbesondere dem Enthusiasmus für das Unterrichten eine hohe Bedeutung für das Erleben aber auch das Verhalten im Beruf zugeschrieben. Doch wie wirkt sich der Lehrerenthusiasmus auf die wahrgenommene Begeisterung aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sowie auf ihre Lernfreude aus? Ergebnisse hierzu liefert unsere Vertiefungsstudie (t8), im Rahmen derer nicht nur 47 Lehrkräfte, sondern auch von ihnen unterrichtete Klassen mit insgesamt rund 1.000 Schülerinnen und Schülern befragt wurden. Eine verständliche Zusammenfassung der Ergebnisse liefert das nachfolgende Video.

Zusammenfassend zeigt sich, dass das berufliche Erleben der Lehrkräfte auch für das Erleben der Lernenden bedeutsam ist: Der erlebte Lehrerenthusiasmus beeinflusst den Lehrerenthusiasmus aus Sicht der Schülerinnen und Schüler und dieser wiederum ihre Lernfreude im Unterrichtsfach.

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Die Qualität des Unterrichts

Auch die Qualität des Unterrichts wurde aus der Perspektive der Lehrerinnen und Lehrer erfasst. Diese schätzten ihren Unterricht hinsichtlich der Aspekte unterstützendes Unterrichtsklima, effektive Klassenführung und kognitive Aktivierung ein, welche als zentrale Aspekte eines lern- und motivationsförderlichen Unterrichts gelten (Antwortmöglichkeiten: trifft überhaupt nicht zu (1) bis trifft völlig zu (7)).

Der Begriff des unterstützenden Unterrichtsklimas beschreibt das Ausmaß, in welchem eine Lehrperson den Problemen der Schülerinnen und Schüler Aufmerksamkeit und Sensibilität entgegenbringt, auch bei Fehlern Respekt und Geduld im Umgang mit Schülerinnen und Schülern zeigt sowie diese wertschätzt und auch bei persönlichen Problemen ansprechbar ist (Beispielitem: „Wenn ein Schüler etwas mit mir bereden möchte, nehme ich mir Zeit.“). Die effektive Klassenführung als Basisdimension guten Unterrichts beschreibt, wie gut die Klasse geführt und ob die Zeit im Unterricht effektiv genutzt wird (Beispielitem: „Der Unterricht verläuft störungsfrei.“). Mit der kognitiven Aktivierung wird das Ausmaß erfasst, in dem eine Lehrperson ihre Schülerinnen und Schüler zum vertieften Nachdenken über die Unterrichtsinhalte anregt (Beispielitem: „Ich lasse Aufgaben bearbeiten, für die es keine sofort erkennbare Lösung gibt.“).

Abbildung 5 macht deutlich, dass die befragten Lehrpersonen ihren Unterricht in Bezug auf das unterstützende Unterrichtsklima am günstigsten bewerten. Im Vergleich schätzen die Lehrkräfte das Ausmaß der effektiven Klassenführung und der kognitiven Aktivierung deutlich geringer ein. Unterscheidet man zwischen den Lehrerinnen und den Lehrern in der Stichprobe, zeigen sich teils bedeutsame Unterschiede. Diese bestehen zwar nicht in der effektiven Klassenführung und der kognitiven Aktivierung, zeigen sich jedoch mit Blick auf das selbstberichtete unterstützende Unterrichtsklima. Dieses wird von den Lehrerinnen bedeutsam höher eingeschätzt als von den Lehrern (MLehrerinnen = 6.23, MLehrer = 5.92).


Abbildung 5. Unterrichtsqualität aus Lehrersicht (t9)

An dieser Stelle schließen die Ergebnisse aus der Vertiefungsstudie zum achten Messzeitpunkt (t8) an. Die vertiefende Untersuchung, im Rahmen derer erstmals im Projektverlauf auch die Schülerinnen und Schülern der teilnehmenden Lehrpersonen einbezogen wurden, erlauben es, die Angaben der Lehrerinnen und Lehrer zu den drei Dimensionen der Unterrichtsqualität mit den Angaben der Schülerinnen und Schüler zu vergleichen. Für die Ergebnisse in Abbildung 6 wurden die Angaben der Schülerinnen und Schüler je Klasse gemittelt und den Lehrerangaben gegenübergestellt.


Abbildung 6. UUnterrichtsqualität aus Schüler- und Lehrersicht (t8)

Aus Abbildung 6 geht hervor, dass sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte die Unterrichtsqualität in den Dimensionen unterstützendes Unterrichtsklima, effektive Klassenführung und kognitive Aktivierung insgesamt sehr positiv einschätzen: Alle Angaben liegen oberhalb des theoretischen Mittelwerts von M = 4.00.

Die deskriptiven Befunde zeigen auch, dass Lehrerinnen und Lehrer die Unterrichtsqualität in allen drei Dimensionen etwas positiver bewerten als die Schülerinnen und Schüler. Dabei wird von beiden Gruppen das unterstützende Lernklima im Unterricht am günstigsten eingeschätzt (MSchüler = 5.24; MLehrer = 5.66). Während Lehrerinnen und Lehrer die kognitive Aktivierung im Unterricht (M = 4.88) etwas ungünstiger einschätzen als die effektive Klassenführung (M = 4.93), zeigt sich bei den Schülerinnen und Schülern ein gegenteiliges Bild.

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Die Ergebnisse erlauben einen ersten Einblick in unsere Forschung. Aktuell planen wir weitere Publikationen, über die wir Sie an dieser Stelle auch weiterhin informieren werden.

Projekt

Bereits seit 1999 befragen wir baden-württembergische Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen.

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Ergebnisse

Unsere Forschung beschäftigt sich mit der beruflichen Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen.

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